frischer und
bewusster essen


Wissenswertes zum Schaf und zur Schafzucht

Seit Tausenden von Jahren spielen Schafe eine wichtige Rolle im Leben des Menschen. Als eines der ältesten Haustiere sind sie für uns nicht nur Lebensgrundlage, sondern auch Lebensinhalt geworden.

Schafe gelten als dankbare und unkomplizierte Nutztiere, die wegen ihrer hohen Anpassungsfähigkeit schon früh domestiziert wurden.

Es sind ausgeprägte Herdentiere, die die Fähigkeit besitzen, sich an unterschiedliche Haltungsbedingungen anzupassen. Man geht davon aus, dass das Mufflon und der Arkal Urahnen unserer heutigen Hausschafrassen sind und daraus wiederum Schafrassen entstanden sind, die ein Zusammenleben mit dem Menschen ermöglichen. Dank ihrer großen Eingliederungsfähigkeit haben sie sich an das jeweilige Klima angepasst und sich somit über fast die ganze Welt ausgebreitet.

Lämmer


Schafe sind auf gute Pflege angewiesen und brauchen ihre Herde
Obwohl Schafe relativ anspruchslos sind, haben sie – wie alle Lebewesen – Bedürfnisse. Gerade weil sie diesen nur wenig Ausdruck verleihen, muss man Schafen gegenüber besonders achtsam sein.

Düngen mit Schafwolle?
Scheinbar ja! Immer mehr Firmen bieten Düngemittel mit Schafwolle an. Europäische Schafbauern wussten lange Zeit nicht mehr, wohin mit der Schafwolle. Vor allem die grobe Wolle fand auf dem Textilmarkt keine Abnehmer mehr. Verzweifelt wurde nach neuen Einsatzmöglichkeiten gesucht und auch gefunden. Forscher der Berliner Humboldt-Universität fanden heraus, dass Schafwolle wertvolle Nährstoffe beinhaltet, die für ein gesundes Pflanzenwachstum sorgt. Schafwolle enthält einen hohen Anteil an Stickstoff, Phosphor und Kalium.

Wie schon erwähnt, sind Schafe Herdentiere und sollten daher in Gruppen gehalten werden; auf alle Fälle aber mindestens zu zweit. Voraussetzung dafür ist wiederum genügend Platz im Fress- und Liegebereich, die den Gruppen zur Verfügung stehen müssen. Zudem sollten sie auf keinen Fall angebunden gehalten werden. Daher entspricht die Weidehaltung den Tieren am besten.

Eine regelmäßige Kotuntersuchung durch den Tierarzt oder ein Labor (aus aufgesammelten Schafköddeln) verschafft einen Überblick über die parasitäre Situation und hilft, rechtzeitig einzugreifen, um Verluste und Leiden zu vermeiden. Ein regelmäßiger Weidewechsel zwischendurch empfiehlt sich (besonders, wenn die zur Verfügung stehende Weidefläche eher klein ist).

Auch wenn seit 2010 keine Impfpflicht mehr besteht für die Blauzungenerkrankung, eine freiwillige Impfung wird empfohlen, da gerade Schafe unter einem sehr schweren Verlauf der Erkrankung leiden können. Ebenso ist die Mitgliedschaft in der Tierseuchenkasse Pflicht (und sehr günstig). Bei den bakteriellen Infektionen, die schlimme Erkrankungen hervorrufen können, stehen die Clostridien recht weit vorne. Bitte informieren Sie sich bei Ihrem Tierarzt oder dem zuständigen Veterinäramt, bevor Sie sich Schafe zulegen. Diese Empfehlung lässt sich eigentlich für fast jede Tierhaltung aussprechen. Schafe benötigen auf der Weide, wie auch im Stall, einen trockenen Platz, um sich auszuruhen

Schafe versichern?
Ja! Schafe müssen versichert werden, damit der Besitzer gegen alle Schäden abgesichert ist, die die Schafe bei einem Ausbruch trotz bester Umzäunung anrichten können.

Schafe sind in ihren Nahrungsansprüchen sehr genügsam, allerdings brauchen sie für gute Leistung auch gutes Futter und wichtig ist der Zugang zu frischem Wasser, um gesund zu bleiben.
Es ist unglaublich, aber Schafe grasen während 4-5 Fressperioden insgesamt 8-10 Stunden pro Tag und dieselbe Dauer nimmt das Wiederkäuen ein. Das bedeutet z.B., dass ausgewachsene Tiere, je nach Rasse und Futterqualität, zwischen 3-10 kg Grünfutter aufnehmen, also knapp 10% ihres Körpergewichts. Der Wasserbedarf von Schafen variiert je nach Leistung, Nahrung und Jahreszeit – je höher die Temperaturen und je trockener die Nahrung, desto durstiger ist das Schaf. Sie müssen mindestens zweimal täglich Zugang zu frischem Wasser haben. Zudem müssen sie ausreichend mit Mineralstoffen versorgt werden – z. B. über einen Leckstein.

Schafe zeigen wenig Aggressivität, Rangbeziehungen sind kaum ausgeprägt. Das augenfälligste soziale Merkmal ist ihr ausgeprägtes Herdenverhalten. „Zahm, wie ein Lämmchen“, diesen Spruch kennen Sie sicherlich. Und so ist es auch. Bei artgerechter Haltung zeichnen Schafe sich durch eine sehr geringe bis gar keine Aggressivität aus und stehen oder liegen gerne nahe beieinander. Dies ermöglicht das Pferchen auf relativ engem Raum. Damit das Wohlergehen der Herde bewahrt bleibt, müssen dennoch alle Tiere einer Gruppe, wie schon erwähnt, genügend Platz zum Liegen und ausreichend geeignetes Futter und Wasser zur Verfügung haben.

Das Schaf sollte nie einzeln gehalten werden, es sei denn, dies ist aufgrund einer Krankheit erforderlich oder die Aue (weibliches Hausschaf) braucht Ruhe zum Ablammen. In diesem Fall ist es wichtig, dass das entsprechende Tier Sichtkontakt zu seinen Artgenossen hat. Ihr ausgeprägtes Herdenverhalten zeigt sich auch darin, dass innerhalb der Herde die meisten Aktivitäten stark synchronisiert werden. Droht Gefahr, fliehen sie zum Beispiel gemeinsam.
Die Schafhaltung ist entscheidend für die Gesundheit der Tiere. Dazu gehört nebst ausreichend geeignetem Wasser und Futter, genügend Bewegung, Sozialkontakte und gutes Stallklima, sowie eine regelmäßige Körperpflege.
Wollschafe müssen regelmäßig – mindestens jedoch einmal im Jahr – geschoren werden, damit ihre Wolle nicht verfilzt und zur Belastung für die Tiere wird. Das Frühjahr ist für die Schafschur der beste Zeitpunkt, da die Tiere so von der warmen Wolle während der Sommermonate befreit werden. Allerdings sind frisch geschorene Schafe empfindlich gegen Sonneneinstrahlung und Kälte, was wiederum bedeutet, dass besonders gut auf einen geeigneten Witterungsschutz geachtet werden muss.

Zucht
Grundsätzlich sollte die Schafzucht nach den Regeln bestimmter Zuchtziele erfolgen, bei denen rassetypische Merkmale angestrebt werden. Die Tiere werden nach der äußeren Erscheinung, der Bemuskelung und der Wolle ausgewählt und beurteilt. Dabei gilt: Der Bock ist die halbe Herde. Eine artgerechte Züchtung sollte darauf ausgerichtet sein, gesunde Tiere zu erhalten und deren Wohlergehen und Würde nicht durch bestimmte Zuchtmerkmale zu beeinträchtigen.

Nutzung
Ursprünglich wurden Schafe zur Fleischgewinnung domestiziert. Erst seit der Eisenzeit konnte man die Gewinnung der Wolle nachweisen. Anschließend waren weitere Zuchtziele die Milch, das Leder und das Fell. Heutzutage gewinnt das Schaf in der Landschaftspflege immer mehr an Bedeutung.
Bei der Nutzung möchte ich jedoch nochmals näher auf die Wollgewinnung von Schafen eingehen:
Wolle war neben Flachs und Hanf (später auch Baumwolle) der wichtigste - und wärmste - Textilrohstoff in Europa. Dann kam die synthetische Faser und machte in den fünfziger Jahren der Wolle den Platz streitig. Heutzutage ist für die Schafhaltenden die Wolle eher ein Verlustgeschäft, so dass sich oft nicht einmal mehr das Abliefern lohnt. Es sind nur noch die ganz feinen Fasern, die Gewinne abwerfen und das auch nur, wenn sie smart vermarktet werden.

Dummes Schaf?
Nein! Nur eine typische Schafeigenschaft: die Verhaltensstarre. Dies bedeutet, wenn man Schafe hinsetzt, sind sie fast nicht mehr in der Lage, sich zu bewegen. Der Vorteil allerdings ist, dass man sie recht gut pflegen, scheren und behandeln kann. Landet ein Schaf allerdings auf dem Rücken weil es auf einer Wiese gestolpert ist, muss man es unbedingt umdrehen. Es kann sich selbst nicht aus dieser Situation befreien und möglicherweise innerhalb von 24 Stunden an Kreislaufversagen sterben.

Schafwolle als Rohstoff
Was früher noch ein hochwertiger und wertvoller Rohstoff war, ist heute zum Entsorgungsproblem geworden und vor allem zu einem unsagbaren Leid dieser friedlichen und sensiblen Tiere. Es müssen zum Beispiel Millionen Merinoschafe weltweit für die Woll- und Lebensmittelproduktion herhalten.

  • In der australischen Wollindustrie gilt es als „normal“, dass etwa 3 Millionen junge Lämmer jeden Frühling sterben. Jährlich sterben in Australien sogar 15 Millionen Lämmer mangels ausreichend Futter, Schutz und Versorgung kurz nach ihrer Geburt. (peta2.de)
  • "Produziert" ein Schaf nicht mehr genug Wolle für den Profit der Farmer, wird das ausgemergelte Tier verkauft. Nach einem wochenlangen Höllentrip in die Türkei, nach Ägypten und in den Nahen Osten, werden sie geschlachtet. Etwa drei Millionen Schafe werden jährlich in Australien auf Frachtern zusammengepfercht. Auf den mehrstöckigen Lebendexport-Schiffen, vollgestopft mit unzähligen verängstigten Tieren, herrschen Hitze, Seuchen und Wassermangel. Zehntausende Schafe sterben auf dem Transportweg. In den meisten Fällen werden ihre Leichen einfach über Bord geworfen. (peta2.de)
  • Speziell für die Wollproduktion müssen die Tiere vielfach das qualvolle Prozedere des „Mulesing“ über sich ergehen lassen, bei dem ohne Narkose handtellergroße Fleischstücke rund um den Schwanz herausgeschnitten werden. (http://www.animalfair.at/2014/11/wolle-tierleid-und-alternativen/)

Diese ultra- oder extrafeine Merinowolle gilt als die edelste Wolle – für die Schafe ist damit aber gar nichts Edles verbunden, denn für sie bedeutet es ihr ganzes Leben drinnen, in kleine Abteile gesperrt, verbringen müssen, ohne jemals Teil einer Herde sein zu können oder andere natürliche Verhaltensweisen ausleben zu dürfen.
Wer allerdings nicht auf Wolle verzichten möchte, sollte darauf achten, dass die Wolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung stammt – nur dort ist garantiert, dass kein Mulesing* praktiziert wird. Ein vertrauenswürdiges Siegel ist z.B. die BEST-Zertifizierung des Internationalen Verbandes der Naturtextilwirtschaft e. V., das die gesamte Produktionskette umfasst und hinsichtlich ihrer ökologischen und sozialverantwortlichen Performance bewertet.
animal.fair wiederum empfiehlt z.B. Garne aus fair produzierter Biobaumwolle, aus Hanf oder Flachs, denn gestrickt und gehäkelt muss nicht mit Wollgarn werden.

Initiativen zum Schutz alter Schafrassen
Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen in Deutschland, ProSpecieRara in der Schweiz und die Arche in Österreich setzen sich u.a. für die Erhaltung gefährdeter Schafe ein. Durch systematische Vermehrung soll die Artenvielfalt erhalten bleiben.

ProSpecieRara: „Warum alte Rassen erhalten“?

Genetische Ressourcen
Viele verschiedene Rassen bedeutet viel verschiedenes, genetisches Erbgut. Diese Verschiedenartigkeit ist eine Versicherung für künftige Anforderungen oder Bedrohungen. Im Gegensatz zu wenigen einheitlichen, ist bei vielen breit gefächerten Rassen die Wahrscheinlichkeit höher, dass Gene vorhanden sind, die sich zum Beispiel bei neuen Krankheiten oder sich verändernden Umweltbedingungen als vorteilhaft herausstellen. Positive Eigenschaften wie Robustheit, Trittsicherheit, Fruchtbarkeit, hohe Vitalität u.v.m. stehen Dank der Erhaltung der alten Rassen auch für weitere Zuchtprojekte zur Verfügung.

Landwirtschaftliches Kulturgut
Die traditionellen Rassen gehören zu unserem Kulturgut. Sie geben uns einen lebendigen Einblick in die vergangenen Zeiten und erzählen vom Leben früherer Generationen. Für historische Projekte, Ausstellungen oder Aufführungen "passen" moderne Leistungsrassen nicht und man ist froh, dass es noch Züchter gibt, die "originalgetreue" Tiere zur Verfügung stellen können. Immer mehr zoologische Gärten und Tierpärke besinnen sich auf dieses Kulturgut und zeigen ihren Besuchern wieder vermehrt auch traditionelle Nutztiere. Aber auch viele Agrotourismus-Aktivitäten profitieren von der Ausstrahlung und der Geschichte der alten Rassen.

Wertvolle Eigenschaften
Alte Rassen haben Eigenschaften, die heute wieder interessant sind. Robuste Tiere, die auch ohne teures, energiereiches Futter gute Leistungen zeigen und allgemein weniger intensive Betreuung benötigen, sind geeignet für die extensive Haltung. Wo der Halter den Tag hindurch zur Arbeit geht und den Hof nur an den Randzeiten betreiben kann, sind solche Eigenschaften gefragt. Dank dem, dass alte Rassen erhalten wurden, kann auch die Landschaftspflege heute auf deren Eigenschaften zurückgreifen und entdeckt die Nutztiere für ihre Projekte.

Quellen spezieller Nischenprodukte
In einer Welt, in der Nahrungsmitteln mehr und mehr standardisiert werden, stellen die traditionellen Nutztiere eine Quelle für vielfältige Spezialitäten dar. Bauern-betriebe, aber auch Küchenchefs und Detailhändler, bis hin zum Großverteiler entdecken die Landrassen. Mit deren Spezialitäten stehen spannende Nischenprodukte zur Verfügung, die sich nicht beliebig austauschen lassen und mit denen man sich abheben kann.

Ob Wolle, Eier, Milchprodukte oder Fleischspezialitäten, es zeigt sich, dass es eine Käuferschaft gibt, die ein großes Interesse an ProSpecieRara-Spezialitäten hat und deren Qualität schätzt. Auch der sanfte Agrotourismus profitiert von der Ausstrahlung der alten Rassen. Arche-Höfe, Schau-Alp-Aufzüge und viele Festaktivitäten erhalten durch die Vielfalt der Nutztierrassen eine besondere Note.

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