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Chlor/Chlorid

Für Wasserhaushalt und Verdauung

Chlorid (negativ geladene Chlorionen) zählt zu den Mengenelementen und ist das wichtigste Anion im Extrazellulärraum. Im Körper tritt es immer gemeinsam mit positiv geladenen Ionen wie Natrium, Kalium oder dem Wasserstoffion auf.

Welche Funktionen hat Chlorid?

Als Gegenion zu Natrium reguliert Chlorid maßgelich den Wasserhaushalt und sorgt für die Aufrechterhaltung der Elekroneutralität in den Körperflüssigkeiten. Zudem ist es in Form von Salzsäure (HCI) Bestandteil des Magensaftes und damit essentiell für eine funktionierende Verdauung sowie die Abtötung von Krankheitserregern.

Wie viel Chlorid sollte täglich aufgenommen werden?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt den Schätzwert für die minimale Chloridzufuhr bei Erwachsenen mit 830 mg pro Tag an (Tabelle 1); dies entspricht etwa 1,4 g Kochsalz (Natriumchlorid NaCl) täglich. Eine sichere Höchstmenge kann laut Europäischer Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) aufgrund fehlender Daten nicht festgelegt werden (1).

Tabelle 1: Schätzwerte für die minimale Chloridzufuhr (2)

Alter Chlorid
(mg/Tag)
Entspricht
Kochsalz (NaCl)

(g/Tag)
Säuglinge
0 bis unter 4 Monate 200 0,3
4 bis unter 12 Monate 270 0,5
Kinder
1 bis unter 4 Jahre 450 0,8
4 bis unter 7 Jahre 620 1,0
7 bis unter 10 Jahre7 bis 690 1,2
10 bis unter 13 Jahre 770 1,3
13 bis unter 15 Jahre 830 1,4
Jugendliche und Erwachsene 830 1,4

In welchen Lebensmitteln ist Chlorid enthalten?

In unverarbeiteten Lebensmitteln kommt Chlorid nur in geringen Mengen vor. Durch die Verwendung von Kochsalz (Natriumchlorid), teilweise auch von Kaliumchlorid (als Geschmacksverstärker), sind vor allem verarbeitete Lebensmittel reich an Chlorid (siehe auch Artikel Natrium).

Worauf sollte geachtet werden?

Durch Kochen und Wässern geht ein Teil des Chlorids in Lebensmitteln verloren. Da Chlorid als Bestandteil von Kochsalz (über)reichlich verzehrt wird, ist eine ausreichende Zufuhr gewährleistet.

Wie äußert sich ein Chloridmangel?

Aufgrund des üblichen hohen Salzkonsums kommt ein ernährungsbedingter Chloridmangel praktisch nicht vor. Starkes Erbrechen, Durchfall und extremes Schwitzen können jedoch zu einem Chloridmangel führen. Natrium- und Chloridmangel äußern sich identisch mit einer Abnahme des Blutvolumens, Kopfschmerzen und Muskelkrämpfen. Da bei Chloridmangel verstärkt basische Bicarbonationen ins Blut abgegeben werden, kommt es dort außerdem zu einem Anstieg des pH-Werts (Alkalose).

Wie sind Vegetarier und Veganer mit Chlorid versorgt?

Vegetarier und Veganer sind ebenso wie Mischköstler ausreichend mit Chlorid versorgt.

Fazit

Chlorid ist vor allem für den Wasserhaushalt und die Bildung der Magensäure von Bedeutung. Da Chlorid Bestandteil von Kochsalz ist, gestaltet sich die Bedarfsdeckung sowohl für Vegetarier und Veganer als auch für Mischköstler unproblematisch.

 

Interessante Fakten zu Chlor

  • Als eines der reaktionsfreudigsten Elemente kommt Chlor in der Natur nur in gebundener Form (z. B. als Chlorid) vor.

  • Elementares Chlorgas wurde erstmals 1774 durch den deutsch-schwedischen Chemiker Carl Wilhelm Scheele experimentell erzeugt (aber von ihm nicht als Element erkannt).

  • Im Jahr 1810 bewies der englische Chemiker Sir Humphry Davy (Entdecker des Natriums), dass Chlor ein Element ist. Er nannte das gelbgrüne Gas chlorine (engl. für Chlor), abgeleitet vom griechischen Wort chloros = gelbgrün.

  • Im Ersten Weltkrieg wurde das hochgiftige Chlorgas erstmals als chemische Waffe eingesetzt.

Literatur

1 Scientific Committee on Food (SCF) (2006): Tolerable upper intake levels for vitamins and minerals. Brussels, p. 427
2 Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE), Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) (2015): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Neuer Umschau Buchverlag, Neustadt a. d. Weinstraße, 2. Aufl.