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Jod

Für die Schilddrüse

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Jodmangel zu den größten Gesundheitsproblemen weltweit: Etwa zwei Milliarden Menschen sind betroffen (1). Zwar gilt Deutschland inzwischen nicht mehr als Jodmangelgebiet. Die repräsentative DEGS-Studie (Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland) zeigt jedoch, dass die Jodzufuhr bei etwa 30 % der Studienpopulation unterhalb des mittleren geschätzten Bedarfs liegt (2).

Welche Funktionen hat Jod?

Jod ist essentieller Bestandteil der Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (Tetrajodthyronin, T4). Diese Hormone sind an der Zelldifferenzierung und -teilung sowie am Gewebewachstum beteiligt, beeinflussen die Entwicklung von Knochen und Gehirn und wirken auf den Stoffwechsel der Hauptnährstoffe. Zudem beeinflussen T3 und T4 den Grundumsatz. Bei der Hyperthyreose (Überfunktion der Schilddrüse) ist der Grundumsatz erhöht, während er bei der Hypothyreose (Unterfunktion der Schilddrüse) erniedrigt ist.

Wie viel Jod sollte täglich aufgenommen werden?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Erwachsene eine tägliche Zufuhr von 200 μg Jod. Die Zufuhrempfehlung der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE) orientiert sich an den Empfehlungen der WHO und liegt für Erwachsene bei 150 μg Jod pro Tag (3). Die sichere Höchstmenge für diese Altersgruppe liegt bei 600 μg/Tag (Tabelle 1).

Tabelle 1: Empfehlungen für die Jodzufuhr (3; 4)

Alter Empfohlene Zufuhr
(μg/Tag)
Tolerable Upper Intake
Level (μg/Tag)b
Säuglinge
0 bis unter 4 Monatea 40 k.A.
4 bis unter 12 Monate 80 k.A.
Kinder
1 bis unter 4 Jahre 100 200
4 bis unter 7 Jahre 120 250
7 bis unter 10 Jahre 140 300
10 bis unter 13 Jahre 180 450
13 bis unter 15 Jahre 200 450
Jugendliche und Erwachsene
15 bis uner 19 Jahre 200 500
19 bis unter 25 Jahre 200 600
25 bis unter 51 Jahre 200 600
51 bis unter 65 Jahre 180 600
65 Jahre und älter 180 600
Schwangere 230 600
Stillende 260 600

a Schätzwert
b Sichere Höchstmenge, die bei täglicher, lebenslanger Zufuhr aus allen Quellen (Lebensmittel und Supplemente) kein Risiko für Gesundheitsbeeinträchtigungen darstellt.
k.A. = keine Angabe

In welchen Lebensmitteln ist Jod enthalten?

Der Jodgehalt in Boden und Wasser ist je nach Region sehr unterschiedlich und unterliegt großen Schwankungen. Daher sind auch die Jodgehalte in pflanzlichen und tierischen Nahrungsmitteln sehr variabel. Auch Produktionsbedingungen wie Düngereinsatz, Tierfutter und Lebensmittelverarbeitung beeinflussen den Jodgehalt der Nahrung (5). Hohe natürlich vorkommende Jodgehalte finden sich fast ausschließlich in Seefisch, anderen Meerestieren und Seetang (Tabelle 2). In geringen Mengen tragen auch Milch und Milchprodukte, Gemüse, Pilze und Hülsenfrüchte zur Jodversorgung bei. Die Hauptquellen für Jod in Deutschland sind jodiertes Speisesalz sowie Erzeugnisse, denen Jodsalz zugesetzt wird (z. B. Brot) (6).

Tabelle 2: Jodgehalt vegetarischer Lebensmittel (Auswahl) (7-11)

Lebensmittel Jod
sehr hoher Gehalt mg/kg
Algen (Gesamtschwankungsbreite) 5 - 11.000
Algen (einzelne Arten, Auswahl)  
- Kombu (Laminaria japonica) 1.542 - 5.307
- Wakame (Alaria esculenta) 60 - 1.571
- Arame (Eisenia bicyclis) 586 - 714
- Hijiki (Hizikia fusiforme) 391 - 629
- Nori (Porphyra tenera) 16 - 43
niedriger Gehalt μg/100 g
Champignons (roh) 18
Brokkoli (roh) 15
Erdnüsse 13
Spinat (roh) 12
Kürbiskerne 12
Roggenbrot 9
Spargel (roh) 7
Kuhmilch (3,5 % Fett) 10 - 20

Worauf sollte geachtet werden?

Ebenso wie Mischköstler sollten auch Vegetarier und Veganer ausschließlich jodiertes Salz verwenden und bei Backwaren auf Produkte achten, die mit Jodsalz hergestellt wurden. Zusätzlich kann der gelegentliche Verzehr von Meeresalgen die Jodversorgung verbessern. Eine exzessive Jodzufuhr (> 1.000 µg/Tag) kann jedoch, besonders bei Menschen mit niedrigem Jodstatus, zu negativen Gesundheitswirkungen führen (7; 8). Da viele Meeresalgen sehr hohe Jodmengen enthalten (siehe Tabelle 2), sollten solche mit moderatem Jodgehalt, wie z. B. Nori, verwendet werden. Die Stiftung Warentest ermittelte bei zwölf untersuchten Nori-Proben jeweils einen Jodgehalt < 20 mg/kg (12). Ein Blatt Nori (etwa 2,5 g) liefert somit < 50 µg Jod.

Wie äußert sich ein Jodmangel?

Bei Jodmangel sinkt die Konzentration der Schilddrüsenhormone im Blut und es kann zu einer Vergrößerung der Schilddrüse, auch Kropf oder Struma genannt, kommen. Mit diesem kompensatorischen Größenwachstum versucht die Schilddrüse, die mangelnde Jodzufuhr durch eine gesteigerte Bildung von Schilddrüsenhormonen auszugleichen. Ein langfristig unbehandelter Kropf führt zur Hypothyreose (teilweise auch ohne Kropfbildung) und somit zur verminderten Hormonbildung, was Symptome wie Kälteempfindlichkeit, trockene Haut, Konzentrationsschwäche u. a. zur Folge haben kann. Zudem können im Schilddrüsengewebe sogenannte „heiße“ Knoten entstehen, die dann bei zeitweise erhöhter Jodzufuhr aktiviert werden und zu einer Hyperthyreose mit lebensgefährlichen Auswirkungen auf den Stoffwechsel führen können.

Während der Schwangerschaft erhöht ein chronischer schwerer Jodmangel das Risiko für Tot- und Fehlgeburten. Eine Jodunterversorgung im Mutterleib, während der Stillzeit oder im Kleinkindalter, führt zu Wachstumsstörungen sowie irreversiblen Entwicklungsstörungen des Gehirns, des Skeletts sowie anderer Organe des Kindes. Diese schwersten Formen des Jodmangels kommen in Industrieländern praktisch nicht vor. Ein leichter Jodmangel kann langfristig bei Kindern zu Beeinträchtigungen der motorischen sowie geistigen Leistungsfähigkeit führen.

Wie sind Vegetarier und Veganer mit Jod versorgt?

Eine zu geringe Jodzufuhr ist kein spezielles Problem von Vegetariern und Veganern, sondern betrifft die Gesamtbevölkerung in Deutschland. Zwar hat sich die Jodversorgung in den letzten Jahren deutlich verbessert, vor allem durch die Verwendung von jodiertem Speisesalz. Dennoch liegt noch immer bei etwa einem Drittel der Bevölkerung in Deutschland eine unzureichende Jodzufuhr vor (2).

Nur wenige Studien haben die Jodzufuhr und den Jodstatus von Vegetariern und Veganern untersucht. Dort zeigt sich, dass die Jodversorgung beider Gruppen meist schlechter als die von Mischköstlern ist (13). Da bei der Fütterung von Nutztieren zunehmend jodiertes Futter eingesetzt wird, ist der Jodgehalt von Milch und Milchprodukten in den letzten Jahren deutlich gestiegen (8; 9). Deshalb ist davon auszugehen, dass bei Lakto-(Ovo-)Vegetariern, die auch auf Milch und Milchprodukte zurückgreifen, kein größeres Risiko für einen Jodmangel besteht als für Mischköstler. Die Jodzufuhr und -versorgung von Veganern liegt noch einmal deutlich niedriger als bei Vegetariern. Veganer gelten daher als Risikogruppe für einen Jodmangel (14; 15).

Fazit

In Deutschland besteht nach wie vor, unabhängig von der Ernährungsweise das Risiko für eine unzureichende Jodzufuhr. Studien zeigen, dass Veganer im Vergleich zu Vegetariern und Mischköstlern ein erhöhtes Risiko für einen Jodmangel aufweisen. Daher sollten sie, noch mehr als andere Bevölkerungsgruppen, auf eine ausreichende Jodversorgung achten. Empfehlenswert ist die Verwendung von jodiertem Speisesalz, Backwaren mit Jodsalz sowie von Meeresalgen mit moderatem Jodgehalt.

     

Interessante Fakten zu Jod

  • Im Jahr 1811 entdeckte der französische Salpetersieder Bernard Courtois das Element Jod, als er Asche von Seetang mit konzentrierter Schwefelsäure aufkochte (16).

  • Etwa 70-80 % des Körperbestandes an Jod (10-20 mg) befinden sich in der Schilddrüse (5)

  • Die tägliche Aufnahme von 5 g jodiertem Speisesalz liefert zwischen 75 und 125 µg Jod. Die DGE empfiehlt Erwachsenen, täglich höchstens 6 g Salz aufzunehmen

  • Jodiertes Speisesalz sollte stets trocken gelagert werden, weil sich der Jodgehalt bei höherer Luftfeuchtigkeit deutlich verringern kann (Verluste von 50 % und mehr nach drei Monaten in offenen Behältern) (18). Ungeöffnete Salzpackungen verlieren bei trockener Lagerung nach drei Monaten etwa 10 % und geöffnete Packungen etwa 25 % des ursprünglichen Jodgehalts (19).

  • Die Verwendung von Jodsalz ist im Rahmen der üblichen Verzehrsempfehlungen unbedenklich und führt weder zu Schilddrüsen- noch zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch bei bereits bestehenden Schilddrüsenerkrankungen, wie Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus Basedow, muss auf Jodsalz nicht verzichtet werden (8; 17).

  • In Japan liegt die durchschnittliche Jodzufuhr, vor allem aufgrund des hohen Algenverzehrs, bei 1.000-3.000 µg (1-3 mg) pro Tag (20).

Literatur

1 De Benoist B, McLean E, Andersson M, Rogers L (2008): Iodine deficiency in 2007: Global progress since 2003. Food and Nutrition Bulletin 29 (3)
2 BEL (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) (o. J.): Jodversorgung in Deutschland: Ergebnisse des aktuellen Jodmonitoring. (www.bmel.de/DE/Ernaehrung/GesundeErnaehrung/_Texte/DEGS_JodStudie.html) (abgerufen 30.09.2015)
3 Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE), Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) (2015): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Neuer Umschau Buchverlag, Neustadt a. d. Weinstraße, 2. Aufl.
4   Scientific Committee on Food (SCF) (2006): Tolerable upper intake levels for vitamins and minerals. Brussels, p. 147
5 Elmadfa I, Leitzmann C (2015): Ernährung des Menschen. Ulmer, Stuttgart, 5. Aufl. S. 307f
6 Max Rubner-Institut (MRI) (Hrsg.) (2008): Nationale Verzehrsstudie II. Ergebnisbericht, Teil 2. Karlsruhe, S. 138
7 BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) (2007): Gesundheitliche Risiken durch zu hohen Jodgehalt in getrockneten Algen. Aktualisierte Stellungnahme Nr. 26
8 BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) (2012): Fragen und Antworten zur Jodversorgung und zur Jodmangelvorsorge. FAQ des BfR vom 7 Februar 2012
9 Jahreis G, Leiterer M, Fechner A (2007): Jodmangelprophylaxe durch richtige Ernährung. Präv Gesundheitsf 2, 179-183
10 Teas J, Pino S, Critchley A, Braverman LE (2004): Variability of iodine content in common commercially available edible seaweeds. Thyroid 14 (10), 836-841
11 Elmadfa I, Aign W, Muskat E, Fritzsche D (2012): Die große GU Nährwert Kalorien Tabelle. Gräfe und Unzer, München, 2. Aufl.
12 Stiftung Warentest (2002): Jod in Algen. Heft 9, 18-21
13 Leitzmann C, Keller  (2013): Vegetarische Ernährung. Ulmer, Stuttgart, 3. Aufl. S. 232f
14 Waldmann A, Koschizke JW, Leitzmann C, Hahn A (2003): Dietary intakes and lifestyle factors of a vegan population in Germany: results from the German Vegan Study. Eur J Clin Nutr 57 (8), 947-955
15 Krajcovicová M, Bucková K, Klimes I, Seboková E (2003): Iodine deficiency in vegetarians and vegans. Ann Nutr Metab 47(5), 183-185
16 Swain PA (2005): Bernard Courtois (1777-1838), famed for discovering Iodine (1811), and his life in Paris from 1798. Bull Hist Chem (30 (2), 108
17 Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (2014): Fehlinformationen zur Jodversorgung gefährden Gesundheit. Stellungnahme v. 02.04.2014 (http://www.endokrinologie.net/stellungnahmen_140402.php) (abgerufen 12.10.2015)
18 Diosady LL, Alberti JO, Venkatesch Mannar MG, Stone TG (1997): Stability of iodine in iodized salt used for correction of iodine-deficiency disorders. Food and Nutrition Bulletin 18 (4), 388-396
19 Jayashree S, Naik RK (2000): Iodine losses in iodised salt following different storage methods. Indian J Pediatr 67 (8), 559-561
20 Zava TT, Zava DT (2011): Assessment of Japanese iodine intake based on seaweed consumption in Japan: A literature-based analysis. Thyroid Res 4 (14)