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Natrium

Für Erregungsleitung, Muskelkontraktion und Wasserhaushalt

Natrium zählt zu den essentiellen Mengenelementen und stellt das wichtigste Kation (positiv geladene Ion) sowohl im gesamten Körper als auch im Extrazellulärraum dar. Der Gesamtbestand beträgt etwa 1,4 g Natrium pro Kilogramm Körpergewicht.

Welche Funktionen hat Natrium?

Natrium transportiert elektrische Ladung und hält so das Membranpotential der Zellen aufrecht. Dieses ist wichtig für die Erregungsleitung über die Nervenzellen sowie die Muskelreizbarkeit und -kontraktion. Daneben spielt Natrium eine wesentliche Rolle für die Regulation des Wasserhaushaltes im Körper. Außerdem ist Natrium an der Absorption von Monosacchariden, Aminosäuren und verschiedenen Vitaminen (z. B. Biotin und Vitamin C) beteiligt.

Wie viel Natrium sollte täglich aufgenommen werden?

Der Schätzwert für die Mindestzufuhr von Natrium bei Erwachsenen liegt laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) bei 550 mg Natrium pro Tag (Tabelle 1). Dies entspricht etwa 1,4 g Kochsalz (Natriumchlorid, NaCl) täglich. Als akzeptable Obergrenze gilt nach DGE eine Zufuhr von 2,4 g Natrium pro Tag (entspricht 6 g Kochsalz). Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gibt aufgrund fehlender Daten keine sichere Höchstzufuhr für Natrium an (1). Das US-amerikanische Institute of Medicine hingegen benennt aufgrund der negativen Wirkungen auf den Blutdruck 2,3 g Natrium pro Tag als UL-Wert (Tolerable Upper Intake Level) für Erwachsene (2). Dieser Wert gibt die Höchstmenge an, bei der bei lebenslanger täglicher Zufuhr vermutlich keine negativen Gesundheitswirkungen auftreten.

Tabelle 1: Schätzwerte für eine minimale Natriumzufuhr (3)

Alter Natrium (mg/Tag)

Entspricht
Kochsalz (NaCl)
(g/Tag)

Säuglinge
0 bis unter 4 Monate 100 0,3
4 bis unter 12 Monate 180 0,5
Kinder
1 bis unter 4 Jahre 300 0,8
4 bis unter 7 Jahre 410 1,0
7 bis unter 10 Jahre 460 1,2
10 bis unter 13 Jahre 510 1,3
13 bis unter 15 Jahre 550 1,4
Jugendliche und Erwachsene 550 1,4

In welchen Lebensmitteln ist Natrium enthalten?

Natrium kommt in unverarbeiteten Lebensmitteln nur in geringen Mengen vor. In Form von Speisesalz wird es Lebensmitteln während der Herstellung, der Zubereitung und direkt vor dem Verzehr zugefügt. Daher zeigen v. a. verarbeitete Lebensmittel wie Fleisch- und Wurstwaren, Hartkäse, Dosengemüse, Brot und Fertigsoßen hohe Gehalte an Natrium. Tabelle 2 zeigt den Natriumgehalt ausgewählter vegetarischer Lebensmittel.

Tabelle 2: Natriumgehalt vegetarischer Lebensmittel (Auswahl) (4)

Lebensmittel Natrium (mg/100g)
Salzstangen 1.790
Feta (40 % Fett i. Tr.) 1.300
Schmelzkäse (20 % Fett i. Tr.) 1.200
Tomatenketchup 1.200
Kräcker 977
Camembert (45 % Fett i. Tr.) 680
Gouda (40 % Fett i. Tr.) 600
Roggenvollkornbrot 527
Kartoffelchips 450
Weizenvollkornbrot 448
Frischkäse (Doppelrahmstufe) 375
Champignon, in Dose 319
Kuhmilch (3,5 % Fett) 48
Speisequark (mager) 40
Brokkoli 19
Champignon, roh 8
Kartoffel 3
Tomate 3
Apfel 3
Weizenvollkornmehl 2

Worauf sollte geachtet werden?

In Deutschland liegt die Natriumaufnahme um das 4- bis 6-fache über den Schätzwerten für eine angemessene Zufuhr (5). Eine hohe Kochsalzaufnahme gilt weiterhin als eine mögliche Ursache für die Entstehung bzw. Begünstigung von Bluthochdruck. Allerdings reagieren nicht alle Menschen empfindlich auf die Salzzufuhr (6). Dennoch zeigt die aktuelle Studienlage, dass eine verringerte Salz- bzw. Natriumzufuhr das Risiko für Bluthochdruck, Nierenerkrankungen, Schlaganfall und Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren kann (7; 8). Daher sollte auf eine sparsame Verwendung von Salz geachtet werden.

Wie äußert sich ein Natriummangel?

Ein ernährungsbedingter Natriummangel kommt aufgrund des allgemein hohen Salzkonsums nur selten vor (1). Durch starkes Schwitzen, anhaltende Durchfälle und Erbrechen sowie in Folge von Nierenerkrankungen kann es jedoch zu einem erniedrigten Natriumgehalt im Blut kommen. Symptome sind Muskelkrämpfe, beschleunigter Puls, Blutdruckabfall und Appetitlosigkeit.

Wie sind Vegetarier und Veganer mit Natrium versorgt?

Die Natriumzufuhr von Vegetariern und Veganern liegt meist unter der von Mischköstlern, teilweise aber dennoch über den Empfehlungen der DGE (9). Viele vegane Fertigprodukte (z. B. Fleisch- und Wurstalternativen) enthalten, ebenso wie nicht-vegane Fertigprodukte, reichlich Salz (10).

Fazit

Natrium ist für die Erregungsleitung, die Muskelkontraktion und den Wasserhaushalt von großer Bedeutung. Die Natrium- bzw. Kochsalzzufuhr liegt bei Mischköstlern, aber auch bei vielen Vegetariern und Veganern deutlich über den Empfehlungen. Um das Risiko für Bluthochdruck, Nieren- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken, sollte auf eine sparsame Salzzufuhr geachtet werden.

 

Interessante Fakten zu Natrium

  • Natrium ist das sechsthäufigste Element der Erdkruste.
  • Elementares Natrium wurde erstmals 1807 durch den englischen Chemiker Sir Humphry Davy per Elektrolyse aus Natriumhydroxid (Soda) gewonnen. Er leitete daraus den englischen Begriff sodium für Natrium ab.
  • Die deutsche Bezeichnung (bzw. das latinisierte) Natrium ist über das Griechische nitron aus dem arabischen natrun bzw. dem altägyptischen netjeri abgeleitet. Bereits im alten Ägypten war Natron (Natriumhydrogencarbonat) bekannt und wurde u. a. für (rituelle) Reinigungszwecke verwendet.

  • Um 1928 wurde von St. John gezeigt, dass Natrium essentiell für ein normales Wachstum (bei Ratten) ist (11).

Literatur

1 Scientific Committee on Food (SCF) (2006): Tolerable upper intake levels for vitamins and minerals. Brussels, p. 429, 441
2 Institute of Medicine (2005): Dietary reference intakes for water, potassium, sodium, chloride and sulfate, p. 270f, 380f
3 Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE), Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) (2015): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Neuer Umschau Buchverlag, Neustadt a. d. Weinstraße, 2. Aufl.
4 Elmadfa I, Aign W, Muskat E, Fritzsche D (2012): Die große GU Nährwert Kalorien Tabelle. Gräfe und Unzer, München, 2. Aufl.
5 Max Rubner-Institut (MRI) (Hg.) (2008): National Verzehrsstudie II. Ergebnisbericht, Teil 1. Karlsruhe, S. 128
6 Elmadfa I, Leitzmann C (2015): Ernährung des Menschen. Ulmer, Stuttgart, 5. Aufl. S. 271
7 Frisoli TM, Schmieder RE, Grodzicki T, Messerli FH (2012): Salt and hypertension: is salt dietary reduction worth the effort? Am J Med 125 (5), 433-439
8 Aaron KJ, Sanders PW (2013): Role of dietary salt and potassium intake in cardiovascular health and disease: a review of the
evidence.
Mayo Clin Proc 88 (9), 987-995
9 Leitzmann C, Keller M (2013): Vegetarische Ernährung. Ulmer, Stuttgart, 3. Aufl. S. 209
10 Verbraucherzentrale Hamburg (2014): Marktcheck vegane Lebensmittel. www.vzhh.de/ernaehrung/334672/Vegan_Marktcheck_vzhh.pdf
(abgerufen 14.12.2015)
11 St. John JL (1928): Growth on a synthetic ratio containing small amounts of sodium. J Biol Chem 77, 27-32